Fast jeder zweite Frührentner ist psychisch krank

Fast jeder zweite Frührentner ist psychisch krank

Psychische Erkrankungen sind vor allem in den Industriestaaten stetig auf dem Vormarsch. Steigender Leistungsdruck, befristete Arbeitsverträge, sinkende Löhne und die Angst vor der Arbeitslosigkeit sowie der damit verbundene soziale Abstieg, sorgt bei vielen Arbeitnehmern für emotionalen Stress. Wie eine Studie nun zeigt, zeigt sich diese Belastung auch in den Frühverrentungen, immer mehr Menschen müssen aus psychischen Gründen das Erwerbsleben frühzeitig verlassen.

Nach einer aktuellen Studie der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) gehen mittlerweile 42 Prozent der Frühverrentungen auf Depressionen, Suchterkrankungen oder andere psychische Erkrankungen zurück. Die Organisation hatte Statistiken der Kranken- und Rentenversicherungen ausgewertet. Besonders dramatisch ist hier vor allem der Vergleich mit den Zahlen aus dem Jahr 2001. Demnach sind vor zehn Jahren noch 25.000 Arbeitnehmer aus psychischen Gründen in Frührente gegangen. 2011 waren es bereits 75.000 Versicherungsnehmer. Vor allem die Depressionen machen einen Großteil der Arbeitsunfähigkeitsfälle aus. Sie legten seit 2001 um 96 Prozent zu. Ein Plus von 74 Prozent wurde bei den Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen verzeichnet, Suchterkrankungen waren für 49 Prozent mehr Fälle von Frühverrentungen verantwortlich. Außerdem legten die sogenannten Arbeitsunfähigkeitstage am Arbeitsplatz um 96 Prozent zu; sie verursachen mittlerweile 14 Prozent aller Fehltage im Job. Arbeitnehmer mit einer psychischen Erkrankung fehlten im Jahr 2012 34 Tage im Mittel. Damit belegen die psychischen Erkrankungen bereits den zweiten Platz nach den Erkrankungen des Muskel-Skelett-Apparats. Frührentner mit einer psychischen Erkrankung sind im Schnitt 49 Jahre alt.

Gesundheitliche Versorgung unzureichend

Immer öfter gilt zudem: einmal arbeitsunfähig, immer arbeitsunfähig. Denn die psychologische und psychiatrische Versorgung in Deutschland ist schlecht und muss dringend verbessert werden. So müssen Arbeitnehmer mit Depression oder Burn-out drei Monate, oft auch sechs Monate warten, bis sie einen Termin bei einem Therapeuten bekommen. So kann nur jeder Dritte psychisch Erkrankte in Deutschland überhaupt angemessen behandelt werden. Viele wollen nicht warten und arbeiten weiter oder beantragen eine Erwerbsminderungsrente. Doch mit der staatlichen Frührente beginnt der soziale Abstieg, der durchschnittliche EU-Rentner erhält 600 Euro. Nach Angaben der BPtK lebt etwa ein Viertel der Frühberenteten in Armut. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung – sie greift anders als eine Unfallversicherung auch bei psychisch bedingter Erwerbsunfähigkeit – gehört noch längst nicht zum Versicherungsstandard in Deutschland. Dabei kann eine frühe Entscheidung für die Versicherung Geld sparen. Einige Versicherer bieten Einsteigertarife für Berufsanfänger an, diese sorgen für günstige Prämien. Wer sich für einen solchen Tarif entscheidet, sollte aber darauf achten, dass eine spätere Anpassung der Versicherungssumme ohne erneute Gesundheitsprüfung möglich ist. Nicht nur die BPtK prangert die Missstände im Gesundheitssystem an, so fordert der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Antistress-Verordnungen. Die Gesundheitsexpertin der Grünen, Maria Klein-Schmeink spricht sich für einen Aktionsplan seelische Gesundheit aus.

Zum Vergleich >>> Berufsunfähigkeitsversicherungen 15.05.2021

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