Geplante Gesetzesreform bei Lebensversicherung: Police kündigen oder behalten?

Geplante Gesetzesreform bei Lebensversicherung: Police kündigen oder behalten?

Im März sorgten Pläne der Bundesregierung für Unmut bei Kunden mit einer Lebensversicherung. Verschiedenen Berichten zufolge soll die Beteiligung an den Bewertungsreserven gekappt zu werden. Ziel der Regelung: Kunden, deren Versicherung in den nächsten Jahren ausläuft, sollen keine hohen Auszahlungen zulasten von Versicherten erhalten, deren Police erst in zehn Jahren oder mehr ausläuft. Das Modell Lebensversicherung soll zukunftsfähig werden.

Mit der anhaltenden Niedrigzinsphase stecken viele Lebensversicherer in der Krise. Sie können den versprochenen Garantiezins nicht mehr erwirtschaften, manche Anbieter entwickeln Produkte ohne dieses Renditeversprechen. Auch auf die sogenannten Bewertungsreserven hat die derzeitige Lage Auswirkungen. Darunter versteht man stille Reserven auf die Wertpapiere. Diese entstehen, wenn die festverzinslichen Papiere Kursgewinne erwirtschaften. Seit dem Jahr 2008 müssen Versicherte zu 50 Prozent an diesen Gewinnen beteiligt werden, bei der Ausschüttung teilen sich Versicherer und Kunde die entstandenen Reserven auf. Dies soll nach der geplanten Gesetzesreform nicht mehr möglich sein. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) betitelt diese Auszahlungen als „Scheingewinne“. Kunden, die in den nächsten Monaten kündigen, wären im Vorteil und würden eine höhere Auszahlung erhalten. Nach den neuen Plänen soll die garantierte Leistung der Lebensversicherung wichtiger sein als eine möglichst hohe Auszahlung an wenige Kunden. Vor allem kapitalbildende Policen wären betroffen. Außerdem soll bei Neuverträgen der Garantiezins von 1,75 auf 1,25 Prozent sinken. Versicherungsvermittler sollen weniger Provision erhalten, zudem soll es die Möglichkeit geben, die Dividende an Aktionäre auszusetzen, wenn der Versicherer unwirtschaftlich arbeitet.

Lebensversicherung sofort kündigen?

Bereits im Jahr 2013 hatte es ähnliche Pläne gegeben, das Gesetzespaket war jedoch gescheitert. Wenn die Regierung das Paket dieses Mal verabschiedet, könnten Versicherte mehrere Tausend Euro verlieren. Kunden, die nun verunsichert sind, sollten sich zunächst bei ihrer Versicherung melden und hier Informationen zusammentragen. So sollte eine aktuelle Übersicht über die Höhe der Bewertungsreserve, der Überschussbeteiligung sowie des Schlussüberschusses verlangt werden. Auch der Rückkaufwert und die Ablaufsumme spielen eine wichtige Rolle. Abhängig von der Einzelsituation kann sich eine Kündigung nun lohnen. Oft beträgt die Höhe der Reserve fünf bis zu zehn Prozent der Auszahlungssumme. Umso höher dieser prozentuale Anteil ist, desto früher sollte die Kündigung erfolgen – so der Rat des Verbrauchermagazins ZDF WISO. Wenn die Versicherung aber noch länger als drei Jahre läuft, sollte auf eine Kündigung lieber verzichtet werden. In diesem Fall sei der Verlust meist größer als der Gewinn durch Auszahlung der Reserve. Wer sich unschlüssig ist, ob sich eine frühzeitige Kündigung lohnt, sollte sich bei den Verbraucherzentralen beraten lassen.

Zum >>> Risikolebensversicherung-Vergleich

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